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And the winner is ...

Kunst ist eine Form des Nachdenkens auf Papier. Deshalb initiierte die IGEPA Großhandel mit ihrer Expertise erstmals einen Kunst- und Designwettbewerb. Walter Gropius nachspürend galt es, den 100jährigen Bauhaus-Gedanken zu bearbeiten, um Funktionalität, Schönheit und Zukunft neu zu interpretieren. Aus über 300 Einsendung wählte die fachübergreifende Jury die Preisträger.

Platz 1 für Anne Nissen mit ihrer kinetischen Skulptur „Rondo Vitae“ nach dem Prinzip des Daumenkinos. Prof. Gregor Krisztian, Professor für Kommunikationsdesgin und Präsident der „Gestaltenden Gesellschaft“ in seiner Begründung:

„Die kinetische Skulptur von Anne Nissen fasziniert von Anfang an. Das Objekt besticht durch seine raumgreifende Präsenz, die zur Auseinandersetzung zwingt und regelrecht zur näheren Betrachtung verführt. Erst dann erschließt sich ihre mediale Vielschichtigkeit: vom filmischen Ausgangsmaterial über die Filterung in fotografische Einzelmotive bis hin zur Übertragung auf eine minimalisierte ‚Bühne‘, über die mehrere tausend Szenen einen getakteten Auftritt erhalten. Das überdimensionierte Rad in langsamer Bewegung streckt die Zeit der Wahrnehmung und fordert zum geduldigen Hinsehen – also: zum Beobachten. Anne Nissen gelingt es auf intelligente Art, eine Geschichte zu erzählen, die gekonnt digital mit analog verbindet und mediale Dimensionen – Zeit, Raum und Fläche – mit einem Gespür für performative Dramatik bewusst macht. ‚Rondo Vitae‘ vereint klug und sensibel ganz im Sinne des Wettbewerbsgedankens ‚Funktionalität gestalten‘ Idee und Form. Es überrascht somit nicht, dass das Votum der Jury, Anne Nissen für diese Arbeit mit dem ersten Preis auszuzeichnen, einstimmig ausgefallen ist.“

2. Platz: Norma Kamps und Vanessa Gemmel von der Hochschule RheinMain mit dem Videoprojekt „fastmovingpaper“. Frau Prof. Dunja Marija Kopi, Professorin für Modedesign dazu:

„Das Experiment ist Fokus dieser gelungenen Studienarbeit – eine Reminiszenz an das Bauhaus und dessen Lehre. Durch die experimentelle und methodische Auseinandersetzung mit dem Arbeitsmaterial Papier sind nicht nur kontrastreiche, spannungsvolle und raumgreifende Objekte erstanden, sondern über dies hinaus innovative sowie immersive Räume. Die Studierenden spielen gekonnt auf der Klaviatur der einsetzbaren Medien. Durch die Projektion von Farbe und Licht auf gestalterisch reizvolle Papierobjekte schaffen Gemmel und Kamps ein sehr beindruckendes, sensibles und raumfüllendes Installationskonzept. fastmovingpapers regt zum Diskurs an und macht psychologische Konflikte, verursacht durch die massive Beschleunigung diverser Prozesse innerhalb unserer Gesellschaft, visuell (be)greifbar und dient als Spiegel eben dieser. Die Bewusstmachung des Konflikts gelingt den Studierenden Gemmel und Kamps unter anderem durch Entschleunigung und Innehalten im Arbeitsprozess, forciert durch den Einsatz diverser Verfahrenstechniken im Kontext der experimentellen Papierverfremdung und ist konzeptimmanent.
Die Arbeit besticht sowohl durch ihr zeitgenössisches Konzept als auch durch das gelungene Zusammenspiel von traditionellen sowie zeitbasierten Medien – Papier, Licht, Farbe, Raum, Projektion, Bewegung, Film – und dessen gestalterisch wertige Übersetzung in das Hier und Jetzt.“

3. Platz: Caroline Sauter mit einem interaktiven analogen Kalender. Die Jury sagt in ihrer Begründung:

„Der Klimawandel ist real! – Caroline Sauter macht mit ihrer Arbeit auf den bereits fortgeschrittenen und massiv fortschreitenden Klimawandel aufmerksam und fängt dies visuell in einem gestalterisch sehr gut funktionierenden sowie angemessenen Format ein. Zum visualisierten und beweisbringenden Hauptakteur in der Arbeit wird der Rhonegletscher in der Schweiz, der bis Ende des Jahres 2018(!) um rund 36 Meter geschrumpft ist. Sauter (be)nutzt ihr konzeptionelles und gekonntes gestalterisches Vermögen zur eindringlichen Bewusstmachung - als Augenöffner. Sie schafft es das Ausmaß des Gletscherschmelzens, das fatale Folgen in unser aller, sehr nahen Zukunft hat, in Form eines Kalenders visuell und gewissermaßen haptisch – wir sind es, die am (Restzeit-)Rad drehen können – verständlich zu machen. Ihre gestalterischen Mittel sind einfach, eingängig und prägnant. Ein analoger und interaktiver Kalender als Umweltbotschafter, der Design und Funktion eint. Eine bewusste Entscheidung seitens Sauter. It´s our turn!“

Fotos: Jürgen Brinkmann (1) / IGEPA

sbr / 22.11.2019